Sabines Blog Beitrag übers Baumhaus

Ds Baumhaus im Kletterwald Wetzlar

Neulich an einem sonnigen Mittag vor der Saison klingelt auf einmal das Kletterwald-Telefon.

Das alleine ist jetzt noch nicht verwunderlich, da stimme ich auf jeden Fall zu.
Die Stimme am anderen Ende der Leitung: „Hallo, hier ist Sabine.“
Ich denke – Ja? und weiter? – Ich frage: „hmmm… ja welche Sabine?“

Termin ausmachen mit Hindernissen für den Blogbeitrag über das Baumhaus im Kletterwald

Die Stimme am anderen Ende der Leitung: „Die Sabine vom Medienbüro Glinke wegen dem Baumhaus.“
Ehrlich gesagt habe ich immer noch keinen Plan worum es geht, weil ich gerade irgendwie mitten aus den Servicearbeiten gerissen wurde, mit einem Bein auf der Leiter in 12m Höhe stehe und mich gerade noch sichern konnte während ich zum Handy griff.

Ahh, dachte ich, wieder einer dieser Werbefritzen…

„Worum geht es denn? Irgendwie stehe ich gerade auf der Leitung, wenn das auf einer Leiter in 12m Höhe überhaupt möglich ist.“
und dacht es wäre witzig…

Die Stimme am anderen Ende der Leitung: „Dann will ich gar nicht länger stören. Sabine vom Medienbüro Glinke. Ich schreibe doch den Blogbeitrag für die Internetseite der Touristinfo Wetzlar und im April soll es um das höchste Baumhaus Deutschlands gehen. Das hängt ja bekanntlicherweise im Kletterwald Wetzlar.“

Sabine auf dem Weg ins Baumhaus
Sabine von Medienbüro Glinke auf dem Weg ins Baumhaus im Kletterwald Wetzlar.

Sabine schreibt den Blogbeitrag für den Monat April für die Touristinfo Wetzlar

„Ach Sabine (wir hatten zwischenzeitlich schon mal ge-emailt), die den Blogbeitrag über das höchste Baumhaus Deutschlands schreiben will, für die Internetseite der Touristinfo Wetzlar. Mensch sag das doch. Du, kann ich dich später zurückrufen. Ich stehe gerade ganz blöd auf der Leiter.“

Sabine:“Ja klar doch.“

Dann haben wir erst einmal ein Date mit Kaffee im Kletterwald ausgemacht für 3 Tage später, weil sie sowieso in Wetzlar war und das auf dem Weg lag. Erst mal die Eckdaten besprechen und ein kleines Interview vorab, bei dem wir zahlreiche Ideen gesponnen haben, weil wir gleich gemerkt haben: hier stimmt die Chemie.

Und dann erzählt mir Sabine, dass sie auf einer Skala von 1-10, eher so bei einer 12-13 wäre, was ihre Höhenangst angeht.
Ich dachte mir nur so – vielleicht etwas zu siegessicher – das schaffen wir schon. Wir bekommen dich da hoch und dann machen wir oben im Baumhaus ein Interview, ein paar coole Bilder aus luftigen Höhen und klettern gemütlich wieder runter.

Eine Woche ging ins Land, weil wir aufgrund des miserablen Wetters den Termin 2mal verschieben mussten, doch dann kam der Tag der Saisoneröffnung und wir mussten durchstarten, weil der Bericht ja auch zeitig fertig werden sollte.

Sabine auf dem Weg ins Baumhaus
Sehr mutig klettert Sabine die Leiter gesichert nach oben auf die erste Station auf ca. 5m Höhe.

Das höchste Baumhaus Deutschlands hängt im Kletterwald Wetzlar

Ich baute vorsorglich die Sicherung zum Aufstieg auf das erste Podest ein. Hier sind es gerade mal 5m, die die Teilnehmer erklimmen müssen.
Sabine stattete ich mit einem Komplettgurt, Helm und Karabinern aus.

„Schau einfach immer nach oben. Dann schaffst Du das locker.“ und sah mich schon oben auf der Plattform bei strahlendem Sonnenschein, mit einer leckeren Kola und konspirativen Gesprächen…

Ich ging als erster nach oben und zückte schon mal die Kamera.
Sabine folgt doch eher zögerlich und jetzt kamen mir doch langsam Zweifel, dass mein Plan aufging.

Langsam klettert Sabine die Leiter nach oben. Etwas unsicher aber siegessicher zugleich.
Bis zum ersten Podest kommt sie noch und es gibt ein paar tolle Aufnahmen für den Beitrag, den Rest könnten wir auch im Photoshop hinzaubern, aber das wäre ja nicht authentisch.

Auch auf 5m Höhe zu kommen ist auf jeden Fall ein großer Schritt

Ich zeige Sabine schon mal die Strickleiter, mit der es die nächsten beiden Stationen nach oben geht.
„Das kannst du vergessen. Da bekommst Du mich nicht hoch.“ sprach sie und wir genossen noch ein wenig die Aussicht.

An dieser Stelle merkte ich, sie meint das ernst und ich starte gar keinen weiteren Versuche der Überredung.
Das wäre an dieser Stelle nur völlig unproduktiv und führt zu gar nichts – außer Frust.

Sabine klettert langsam, gesichert von mir, nach unten. Ich folge und wir unterhalten uns noch ein wenig über das Thema Fehlerkultur.

Sabine auf dem Weg ins Baumhaus
Noch einen Blick nach oben wwagen, bevor wir langsam wieder runterklettern.
Lernchancen lauern überall – das muss man aber auch erst einmal erkennen

Sabine nimmt das gelassen und ich bin total begeistert von ihrem Verhalten.
Das ist absolut mutig, denn schließlich ist sie der absoluter Angstschisser, wie selbst sagt, was die Höhe anbelangt.
Von daher sind wir einen Riesenschritt vorangekommen.

„Träume sind Ziele mit Termin.“ Alice im Wunderland

„Auch aus dieser Situation kann ich eine ganze Menge lernen. Ich bin einen großen Schritt nach oben gegangen und danke dir für Deine Unterstützung.
Beim nächsten Mal geht es dann ein Stück weiter. Ich werde mich zuerst mal in den Parcours ausprobieren und das Ziel zum Ende der Saison wird dann sein das Baumhaus zu erklimmen.“ sagt Sabine absolut siegessicher und ich ziehe meinen Hut – in Form meiner Mütze – vor ihr!

Hohachtung! an dieser Stelle. Das finde ich echt super.

Vom Umgang mit Fehlerkultur in der Gesellschaft

Leider erlebe ich es immer wieder im Kletterwald, dass Eltern der Meinung sind „mein Kind kann das“ aber das Kind möchte gar nicht oder braucht einfach viel mehr Zeit. Auch auf die Hinweise meiner Trainer oder von mir selbst – mit mittlerweile 14 Jahren Kletterwald-Erfahrung – reagieren viel nicht.

Und wenn dann gescheitert wird, wird noch rumgekoffert, dass das jetzt so viel Eintritt gekostet hätte und so weiter…. blah, blah, blah. Klar ist auf jeden Fall: Schuld sind ja immer die anderen!
Da tun mir die Kids dann schon immer sehr leid. Oftmals ist es einfach viel zu viel und ein Schritt zurück wäre vielleicht auch ein Schritt zum Ziel.

Der Weg nach oben ins Baumhaus
Ein Blick nach oben. Hier musst Du schwindelfrei, wenn Du bis nach oben willst.

„Nicht von den Dingen, die beim ersten Mal klappen werden wir schlauer,
sondern von den Erfahrungen, wenn es 42 mal nicht klappt.“ der-simon.de (TEAMentwickler 4.0)

Darüber habe ich mit Sabine noch lange gesprochen. Das Thema Fehlerkultur ist so eine Sache. Man muss ja auch nicht alles können.
Im letzten Jahr gab ein kleiner Junge sein Klettermaterial bei mir ab und sagte, dass wäre nichts für ihn.
Ich bot ihm an, den Gurt einfach zu behalten und es später nochmal zu probieren. Aber er wollte nicht und zwingen möchte ich auch niemanden.

Seine Formulierung ist mir nicht mehr ganz im Ohr, aber er war schon echt niedergeschlagen.
Ich meinte nur, dass nicht jeder alles können muss und fragte ihn, ob er denn ein Musikinstrument spielen könne.
Die Augen funkeln und er sagt:“ Ja ich spiele Schlagzeug.“

Da sage ich zu ihm: „Alter ist das geil! Siehste mal, da kannst Du schon mehr, als wie ich.
Ich kann kein Musikinstrument spielen. Somit ergänzen wir uns doch super.
Jeder kann irgendwas und das solltest Du erkennen, es annehmen und weiter daran arbeiten.“

Der kleine Junge zog lächelnd davon, hat den anderen noch beim klettern zugeschaut und ein Eis gegessen.

Auch Sabine fand die Geschichte klasse und ich sagte ihr, dass ich das total bewundere, mit welcher Gelassenheit sie das Event so annimmt.

Dann haben wir uns noch ein wenig über den Beitrag ausgetauscht, den Kaffee geleert und verabschiedet.

Ich bin jetzt echt total gespannt, was aus diesem Beitrag wird.
Demnächst auf der Internetseite der Tourist-Info von Wetzlar.

Euer Simon aus dem Wald